20.11.2018

Der See liefert Wärme

So geht bauen heute: In der Überbauung Räbmatt in Küssnacht entstehen 155 Wohnungen, welche komplett aus erneuerbaren Energien versorgt sind. Das Wasser aus dem Vierwaldstättersee bildet die Grundlage für Heizung und Warmwasser, der Strom kommt zu wesentlichen Teilen aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Elektrizitätswerk Schwyz AG (EWS) hat für die Bewohner ein Abrechnungssystem entwickelt, das die Kosten dem jeweiligen Verbraucher zuteilt. Das schafft Transparenz – und sensibilisiert für einen bewussten Umgang mit den Ressourcen.

Etwas erhöht über dem Vierwaldstättersee liegt die neue Überbauung Räbmatt. Während die Liegenschaften am oberen Ende noch im Bau sind, ist in der Mitte der Siedlung bereits Leben eingekehrt. Pflanzen säumen die Balkone, da und dort brennt ein Licht, eine Geburtstafel erzählt vom vermutlich jüngsten Bewohner. Vielleicht ist für ihn einmal selbstverständlich, was heute noch Pioniercharakter hat.

Aus energiepolitischer Sicht sind die 16 Wohnhäuser im Minergie-Standard nämlich fast optimal ausgerüstet. Ungewöhnlich ist besonders die Nutzung des Seewassers. Unterirdische Leitungen bringen das rund 8 Grad warme Wasser zur Siedlung, wo eine Pumpe die Wärme entziehen und mithilfe von Strom vervielfachen kann. Roman Gwerder, Leiter Vertrieb der Elektrizitätswerk Schwyz AG (EWS), erklärt die Beweggründe dahinter: «Der See ist und bleibt da – man muss die Energie nur nutzen.» Die Umsetzung war dennoch nicht ganz so simpel wie die Idee: Die Installation war aufwendig. Sie konnte in Zusammenarbeit mit dem Bezirk realisiert werden, der die anliegenden Schulhäuser ebenfalls mit Energie aus dem See versorgen wollte.

Der Strom für die Wärmepumpe, aber auch direkt für die Haushalte, kommt zu grossen Teilen von der eigenen Photovoltaikanlage. «Es entspricht der Energie-Strategie des Bundes, dass man Strom vermehrt selber produziert», sagt Roman Gwerder. So können Abhängigkeiten von Atom-, Kohle- oder Gasstrom reduziert werden. Es sei aber auch klar, dass die Bewohner selbst möglichst wenig Aufwand haben müssten.

Das Grossprojekt hat EWS vor einige Herausforderungen gestellt. Sie hatte die Aufgabe, ein Abrechnungssystem für das heterogene Gebilde aus Eigentümern und Mietern in der Räbmatt zu finden. Die gesetzlichen Grundlagen waren teils unklar – weil es diese Bedürfnisse früher gar nicht gab –, was die Umsetzung zusätzlich erschwerte.

Mittlerweile sind die offenen Fragen geklärt. Auch die Bewohner können ihren Verbrauch digital mitverfolgen und erhalten so mehr Transparenz. Gleichzeitig dürfte diese Art der Abrechnung den einen oder andern dazu bewegen, ein Grad weniger zu heizen oder die Dusche ein paar Minuten früher abzustellen.